Bürgerversammlung Hunding

Die gut besuchte Bürgerversammlung im Gasthaus „Griabige Pizzastubn“ in Rohrstetten nutzte Bürgermeister Ferdinand Brandl zu einer umfassenden Information über die Zwistigkeiten mit der Nachbargemeinde Lalling. Aufgrund deren Klage habe der Bayerische Verwaltungsgerichtshof den Bebauungsplan „Sondergebiet großflächiger Lebensmitteleinzelhandel mit Tankstellenbetrieb“ im Gewerbedorf Rohrstetten aufgehoben. Das Urteil habe wegen ähnlicher Probleme bei etlichen Gemeinden in Bayern einen Flächenbrand ausgelöst. Auch der Landtag musste sich mit der Problematik befassen. Das ergänzte Landesentwicklungsprogramm ist seit 1. März Gesetz. Jetzt ist klargestellt, dass jede Gemeinde das Recht auf einen Lebensmittelmarkt mit 1 200 Quadratmeter Verkaufsfläche hat, unabhängig von der zentralörtlichen Einstufung einer Nachbargemeinde im Regionalplan. Auch der ursprüngliche Bebauungsplan „Gewerbedorf“ musste neu aufgestellt werden. Die Gemeinde musste deshalb noch Ausgleichsflächen erwerben. Für die Neuaufstellung war zudem Eile geboten, da zwei Bauwerber baldmöglichst bauen wollten. Abgesehen von der zeitlichen Verzögerung sind der Gemeinde erhebliche Kosten entstanden.

Ein weiteres Problem ist der Bebauungsplan „Panholling Süd II“, der eigentlich auf Drängen der Gemeinde Lalling aufgestellt wurde, um den Bau einer Durchgangsstraße vom Baugebiet „Am Kirchholz“ zu Kreisstraße DEG 23 zu ermöglichen. Die Gemeinde macht zur Auflage, dass die Trasse einer Durchgangsstraße nach Norden verschoben wird und der Bauträger die Kosten des Bebauungsplanes übernimmt. Jetzt will die Nachbargemeinde diese Durchgangsstraße nicht mehr, die Erschließung des Areals auf Hundinger Seite ist derzeit nicht möglich und die Gemeinde bleibe möglicherweise auf den bereits entstandenen Kosten von etwa 11 000 Euro sitzen.

Einvernehmlich neu geregelt wurde dagegen die Zusammenarbeit im Tourismusbereich durch Abschluss einer neuen Zweckvereinbarung mit den Gemeinden Lalling und Schaufling. Das jährliche Haushaltsdefizit wird trotz des Standortvorteiles von Lalling nach den Übernachtungszahlen aufgeteilt. Investitionskosten sind nicht umlagefähig. Die Vereinbarung gilt vorerst drei Jahre. Die Gemeinde habe vorgeschlagen, die Fremdenverkehrsbeiträge der Vermieter in den Tourismushaushalt einfließen zu lassen. In der Gemeinde gibt es derzeit vier Vermieter.

Ein großes Projekt ist nach wie vor die Dorferneuerung. Die Abmarkung in der Flur ist erledigt. Die Oberflächenwasserableitung Panholling wurde bis auf das Rückhaltebecken vor dem Panhollinger Bach geregelt, ein Spurplattenweg gebaut. Für die Oberflächenwasserableitung in Rohrstetten-Nord ist die Planung fertig. Umgesetzt wird das Projekt nach der Grundstücksneuverteilung. Gleiches gilt für die Oberflächenwasserableitung Zueding. Die Wertermittlung der Grundstücke gestaltet sich wegen der kleinstrukturierten Landschaft schwierig und zeitlich aufwendig. Noch heuer ist die Entgegennahme von Wünschen der Grundstücksbesitzer geplant, im Herbst nächsten Jahres nach der Besitzübergang. Mit dem Ausbau der Hauptstraße in Rohrstetten soll heuer begonnen werden, so dass bis Jahresende die Tragschicht aufgetragen ist. Der zweite Ausbauabschnitt zusammen mit dem Birkerlweg ist für 2019 vorgesehen. Gerechnet wird mit einer staatlichen Förderung von 65 Prozent. Eine unendliche Geschichte ist die Renaturierung Gneistinger Bach. Jetzt erscheint „Licht am Ende des Tunnels“ für ein Projekt mit einem Zuschuss von möglichen 90 Prozent. Vergeben wurde der zweite Abschnitt des DSL-Ausbaues, der die Ortschaften Gneisting und Kieflitz betrifft.

Die neue Dorfmitte wurde durch die stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner im Rahmen des Feuerwehrtages und dem Jubiläum 430 Jahre Gasthaus „Zum Goldberg“ eröffnet. Dank großem Engagement von vielen Bürgern konnten die Kosten die gering gehalten werden. Herausragendes Engagement haben Hans Senninger, Helmut Stadler und Alois Fraundorfer gezeigt.

Durchgeführt wurden mehrere Straßensanierungen. Für die Erweiterung des gemeinsamen Kindergartens in Lalling wurde eine optimale Lösung gefunden. Der Zuschusssatz wurde außerdem von 40 auf bis zu 85 Prozent angehoben. Auf die Gemeinde kommt für das Projekt eine anteilige Eigenleistung von etwa 150 000 Euro zu.

Bei einem Ehrenabend wurden sechs verdiente Gemeindebürger ausgezeichnet, zwei mit dem Ehrenring und vier mit der Bürgermedaille. Einer der Geehrten ist vor der Verleihung verstorben.

Die Gemeinde hat 1173 Einwohner. Seit der letzten Bürgerversammlung waren acht Geburten, vier Eheschließungen und elf Sterbefälle zu verzeichnen. In acht Sitzungen 2017 hat der Gemeinderat 66 Beschlüsse gefasst. Zugestimmt wurde 14 Baugesuchen. Die Lallinger Grundschule besuchen derzeit 160 Schüler, davon 41 aus dem Gemeindebereich. 13 Schüler aus der Gemeinde sind in der Mittelschule Hengersberg eingeschult. Von den 90 Kindern im gemeinsamen Kindergarten wohnen 34 in der Gemeinde.

Gedankt wurde einer Reihe von Bürgerinnen und Bürgern für ihren Einsatz und ihr Engagement und den Vereinen für ihre Beteiligung am gesellschaftlichen Leben. Zur Bürgerversammlung waren keine schriftlichen Anträge eingegangen. In der Versammlung wurden auch keine mündlichen Anfragen gestellt. Die Bürgerschaft ist mit der Arbeit der Gemeinde offenbar zufrieden.

Text: Schröck