Der Landkreis verabschiedet sich von einem Großen – Würdevolles Requiem in der Martinskirche für den verstorbenen Altlandrat Dr. Georg Karl

Deggendorf. Der Landkreis Deggendorf hat sich gestern von einem Großen verabschiedet. Familie und Angehörige feierten mit einer großen Trauergemeinde in der Martinskirche ein würdevolles Requiem für den verstorbenen Altlandrat Dr. Georg Karl.

Die anschließende Beerdigung fand im engsten Kreis auf dem Deggendorfer Friedhof statt. Fahnenabordnungen der Feuerwehren aus dem ganzen Landkreis und des Bayerischen Roten Kreuzes gaben dem Verstorbenen das letzte Geleit. Die Kirche war mit rund 500 Trauernden gut gefüllt. Neben der Familie waren viele Weggefährten seiner langen Karriere gekommen sowie Vertreter der Institutionen im Landkreis.

Pfarrer Franz Reitinger wurde bei der Messe unterstützt von acht Mitzelebranten, darunter die Äbte Wolfgang M. Hagl (Metten) und Marianus Bieber (Niederaltaich) sowie der ehemalige Stadtpfarrer Monsignore Wolfgang Riedl, der auf Wunsch des Verstorbenen anstelle der Predigt auf das Leben von Georg Karl blickte. Riedl beschrieb den Juristen und ehemaligen Landrat (1978 – 2002) als kompetente und souveräne Respektsperson mit herausragenden rhetorischen Qualitäten. „Sobald er ans Mikrofon trat, war er sehr präsent.“ Für seine Hobbys Lesen, Geschichte und Reisen blieb Karl wenig Zeit, weil er sich als Landrat nicht schonte. Sein Wirken und sein Einsatz für eine humane, christliche Gesellschaft seien geprägt von den Benediktinern in Metten, bei denen der gebürtige Landshuter das Gymnasium besuchte. Für Monsignore Riedl ein Beleg, wie „unendlich wichtig“ die Erziehung unserer Kinder sei. Der Geistliche nahm dabei Bezug auf die Bayerische Verfassung, nach der die Schulen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden sollen.

Auch Landrat Christian Bernreiter bezeichnete in seiner Trauerrede Karls „christlich-abendländisches Weltbild“ als „Wertekompass für all sein Tun“. Dabei habe bei ihm der Mensch immer im Mittelpunkt gestanden. Bernreiter zeigte die Verdienste seines Vorgängers auf – sei es als Vereiner des nach der Gebietsreform 1972 neu entstandenen Landkreises oder wie er „mit seinem Können und seiner Gestaltungskraft“ zum Vater des modernen Landkreises, „einer niederbayerischen dynamischen Entwicklungsdrehscheibe“ wurde. Dabei hob Bernreiter den Einsatz Karls für neue und bestehende Arbeitsplätze sowie die Bildung hervor, bezog sich auf zahlreiche neu entstandene Gewerbegebiete und neu geschaffene Bildungseinrichtungen. Bernreiter bezeichnete die Leistungen des Altlandrats als herausragend. „Vieles davon bildet das Fundament unseres heutigen Wohlstandes und unserer Zukunftsfähigkeit sowie der derzeitigen Lebensqualität im Landkreis“, sagte Bernreiter. Karls außergewöhnliche Persönlichkeit beschrieb er als „bescheiden und zurückhaltend im Auftreten, dafür in seinen Anliegen wortgewaltig, beharrlich und durchsetzungsstark“.

 

Staatsminister Bernd Sibler, der wie Bernreiter auf Wunsch des Verstorbenen sprach, ging ebenfalls auf die außergewöhnliche Persönlichkeit Dr. Karls ein, der 55 Jahre der CSU angehörte und 52 Jahre aktiv beim BRK war. Karl habe stets zugehört, auch auf die unterschiedlichen Temperamente und Persönlichkeiten der Menschen gehört. Seine Art war es, zuzuhören, abzuwägen, zu entscheiden und dann auch dazu zu stehen. Seine zentrale Botschaft sei das „Vorwärtskommen und Menschwerden durch Bildung“ gewesen. „Wir werden dem großen Georg Karl stets ein ehrendes Gedenken bewahren“, sagte Sibler.

Zu den zahlreichen politischen Weggefährten Dr. Karls beim Requien gehörten u. a. der ehemalige Landkreistagspräsident Theo Zellner, etliche amtierende und ehemalige Landräte und Bürgermeister sowie weitere Mandatsträger. Die Messe zelebrierten neben Anzeige den Pfarrern Reitinger und Riedl sowie den Äbten Hagl und Bieber Dekan Heinrich Blömecke, die Padres Michael Kaufmann und Markus Haering, der ehemalige Klinikums-Seelsorger Pfarrer Jacob Vezhapparampil und der evangelische Pfarrer Klaus-Ulrich Bombard. Chor und Orchester der Berufsfachschule für Musik des Landkreises boten eine eindrucksvolle musikalische Umrahmung u. a. mit Werken von Mozart und Bach sowie aus der Schubert- Messe.

Das Mitgefühl der Trauergäste galt in erster Linie Karls Ehefrau Marlene sowie seinen Kindern Gabriele und Rolandmit ihren Familien. Als Vermächtnis seines Vorgängers nannte Bernreiter: „Jede Stunde des Lebens als Aufgabe und Herausforderung zu sehen, an das Gute zu glauben, bestmöglich zu handeln in Verantwortung vor den Menschen.“ Gut besetzt waren die Reihen der Martinskirche mit Trauergästen. Auch Fahnenabordnungen der Landkreis-Feuerwehren erwiesen dem Altlandrat die letzte Ehre.

Text: Wendelin Trs
Fotos: Roland Binder
Quelle: Deggendorfer Zeitung