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Staatssekretär Sibler zu Besuch an der Grundschule Lalling

Lalling: Großer Bahnhof an und vor der Grundschule in Lalling. Hoch offiziell kam Staatssekretär im Bayerischen Kultusministerium Bernd Sibler, selbst früher Lehrer, im Dienstfahrzeug. Begrüßt wurde der Staatssekretär von Rektorin Dr. Sibylle Maier, Konrektorin Tanja Schöffmann-Barth und Schulverbandsvorsitzenden Robert Bauer. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde im Lehrerzimmer warteten die Schüler und die Lehrer schon in der Aula auf den hohen Gast aus München.

In ihrem Buch Chancengleichheit in der Grundschule schreibt Autorin Friederike Heinzel einleitend: „Der Umgang mit Heterogenität stellt ein zentrales Thema im aktuellen Bildungsdiskurs dar. Kinder unterscheiden sich bereits im Grundschulalter durch gesellschaftliche Individualisierungsprozesse, durch die differenzielle Übertragung des kulturellen und sozialen Kapitals ihres elterlichen Milieus und durch psychische und körperliche Entwicklungen. Gleiche Anforderungen an Kinder mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen verstärken jedoch Leistungsunterschiede und ungleiche Bildungschancen. Im Folgenden werden zunächst Heterogenitätsdimensionen skizziert, dann Konzepte zum Umgang mit Heterogenität vorgestellt und zuletzt Forschungsstand und Forschungslinien umrissen.“

Der Heterogenität der Schülerschaft in den einzelnen Klassen begegnen die Schulen aller Schularten auf verschiedenen Arten. Die Grundschule Lalling entwickelt derzeit ein spezielles Konzept das zum Ziel hat, den Kindern aller Begabungen gerecht zu werden. Diese besondere Kombination zur Förderung von Kindern mit großem Förderbedarf bis hin zu besonderen Begabungen erweckte auch das Interesse von Staatssekretär Bernd Sibler im Bayerischen Kultusministerium. Aus diesem Grunde verschaffte er sich in einer modularisierten Unterrichtsstunde einen Einblick in die unterrichtspraktische Arbeit. Der Unterrichtet wurde mit beiden vierten Klassen (insgesamt 43 Schülerinnen und Schüler) in der Lernwerkstatt eröffnet. Das Thema der Unterrichtsstunde lautete „Was ist deine Lieblingsfarbe?“

„Die Schüler sollen lernen, sich selbst einzuschätzen, um dann weitere Lernschritte gemeinsam mit dem Lehrer zu planen und auch erfassen, wo sie im Lernprozess gerade stehen. Wir arbeiten in diesem Zusammenhang viel mit Lernwegen oder Lernlandkarten“, erklärte Frau Dr. Maier. Nachdem die Umfrage vorbereitet und durchgeführt war, ging es  darum, die Ergebnisse der Befragung auszuwerten, in einem Säulendiagramm visuell zu kommunizieren und zu interpretieren.  Gemeinsam filterten die Schüler die Ziele heraus und formulieren präzise in drei Gruppen die Ergebnisse. „Nach der Erhebung der Lernausgangslage durch die Klassenlehrer verteilten sich  die Kinder auf drei Gruppen. Die Zusammensetzungen richten sich nach Thema und Lernfortschritt“, verdeutlichte  Brigitte Schmid.

Lehrerin Karin Glessinger wertete die Befragung mit einer Gruppe materialgeleitet mit Legosteinen aus. Anhand des Säulendiagramms konnten die Kinder genau ablesen, wie viele Kinder welche Lieblingsfarbe haben. Bei Lehrerin Brigitte Schmid wurden die Ergebnisse geradewegs auf Papier übertragen. Um den Schülern ein möglichst selbständiges Arbeiten zu ermöglichen, lagen Tippkarten bereit. Die dritte Gruppe legte für die Auswertung eine Tabelle an, um anschließend ein Diagramm auf‘s Papier zu bringen. Nach dieser Arbeitsphase trafen sich beide Klassen wieder in der Lernwerkstatt. Jede Gruppe präsentierte und erklärte ihr Arbeitsergebnis. Gemeinsam wurden die Ergebnisse interpretiert.

Höchst bemerkenswert und interessant fand Staatssekretär Sibler, wie sich die Kinder gemeinsamen mit einer Hingabe an der Aufgabenstellung auf unterschiedlichen Niveaustufen arbeiten – konkret handelnd mit Material, mit Tippkarten als mögliche Hilfestellung und ganz selbstständig am Computer. Indem am Ende alle Gruppen ihre Ergebnisse vorstellen konnten, fand jede Bearbeitungsart ihre Anerkennung und Berücksichtigung im Ergebnis. Staatssekretär Bernd Sibler: „Ihr habt euch hier mit einem sehr wichtigen und interessanten Thema beschäftigt – Umfragen spielen in vielen Bereichen eine große Rolle – auch in der Politik. Ergebnisse werden meist in Diagrammen abgebildet.“

Im anschließenden Gespräch mit Schulleiterin Dr. Sibylle Maier und stellvertretender Schulleiterin Tanja Schöffmann-Barth betonte Staatssekretär Bernd Sibler, dass der Freistaat die Inklusion zu einem Kernanliegen des Schulwesens gemacht habe. „Bayern stellt seit 2011 nur für die Inklusion jedes Jahr 100 zusätzliche Lehrerstellen zur Verfügung, bisher sind es insgesamt 700 zusätzliche Stellen. Für dieses Jahr sind weitere 100 Stellen beschlossen und im Bildungspaket sind für die Jahre 2019/2020 jeweils weitere 100 Stellen für die Inklusion geplant“. Darüber hinaus war es dem Staatssekretär wichtig zu verdeutlichen, dass der Freistaat auch die Kapazitäten zur Ausbildung von Lehrkräften für Sonderpädagogik ausbaue.

In Bayern besitzen derzeit 298 Schulen das Profil Inklusion. Im Landkreis Deggendorf verfügen fünf Schulen über das Profil, die Grundschule Lalling ist derzeit die einzige Grundschule im Landkreis mit dem Profil Inklusion. Nach dem offiziellen Start der Begabungsinitiative „Wir können mehr“ am 30. Januar 2018 möchte die Grundschule Lalling verstärkt Ideen und Anregungen umsetzen, wie die Begabungen von Kindern gefördert werden können.  Es wurde deutlich, dass die Entwicklung und Umsetzung dieses Konzepts viel zusätzliches Engagement bei der Erhebung von Lernausgangslagen, der Erstellung von Förderplänen, der Planung des Unterrichts und bei Absprachen untereinander erfordert. „Sie machen hier eine aufwändige, aber sehr erfolgreiche und beeindruckende Arbeit“, betonte Staatssekretär Bernd Sibler zum Abschluss seines Besuchs.

Text und Fotos: Peter Gruber